Über uns und das Haus

Es waren einmal vor langer langer Zeit viele leerstehende Häuser…

…Belthlestraße 20, Seelhausgasse 18, Schleifmühleweg 3, Nauklerstraße 17, Eugenstraße 38, Ob dem Viehweidle 21… was haben all diese Tübinger Adressen gemeinsam?

Sie gehören zu Häusern, deren Besitzer*innen seit Jahren durch Leerstand Wohnraum blockieren. Wohnraum, der hier in Tübingen bekanntlich eh schon viel zu knapp ist. Und es sind weit mehr als diese 6 Häuser unbewohnt: Etwa 150 Häuser und 400 Wohnungen (OB Palmer im Tagblatt 2016) stehen leer. Dazu gehört auch ein vierstöckiges, großzügiges Objekt in der Gartenstraße 7.

Die Gartenstraße 7, kein Mensch weiß so genau, wie lange dieses Haus schon leersteht. Schon 1998 wurde der Betrieb des Haushaltswarengeschäfts im Erdgeschoß eingestellt. Ob die Besitzerin des Hauses danach noch in der Wohnung im oberen Stock gelebt hat, ist fraglich. Heute wohnt sie nicht mehr in Tübingen und interessiert sich nicht wirklich für das geräumige Wohnhaus. Das macht sich an dessen Zustand bemerkbar: die Fassade bröckelt und es liegt verwahrlost und verlassen da. Die Gartenstraße 7 hat eine lange Geschichte: 2012 rief ein Nachbar mit dem Leserbrief “Wo bleiben denn die Hausbesetzer” dazu auf, sich doch endlich dieses wunderbar große Wohnhaus anzueignen, um mehrere WGs oder Familien darin unterzubringen. 2015 folgte die erste Besetzung.

Es ist einfach paradox – die Wohnraumsituation in Tübingen ist prekär: 1150 Mietwohnungen fehlen (Stand 2012) , Hausbesitzer*innen versprechen sich mehr Profite von AirBnB als von langfristigen Mieter*innen. Studierende, Alleinerziehende, junge Familien und Auszubildende sind häufig gezwungen überteuerte und befristete Zwischenmietverträge einzugehen. Wie kann es sein, dass ein Objekt, wie die Gartenstr. 7, in dem in zentraler Lage mehrere Etagen mit Wohraum für mindestens 12 Personen verfügbar sind, seit über 20 Jahren leersteht?! Selbst OB Palmer kam das falsch vor: “Die Stadt hat ein Interesse daran, dass so ein Gebäude in dieser Lage nicht leersteht.” Von der Stadt wurde bereits der Versuch unternommen, das Haus zu kaufen. Dieser Versuch ist leider kläglich gescheitert und das Thema Gartenstraße 7 ist wieder im Sande verlaufen.

Wir finden es ist an der Zeit, die Geschichte dieses Hauses wieder aufzurollen und ihr diesmal ein Happy End zu schreiben. Genau deswegen sind wir hier: Um dieses Haus wieder zum Leben zu erwecken.

Unser Plan ist es, einen Freiraum zu schaffen, einen Treffpunkt, der zentral liegt und für alle Menschen offen ist.

Dies soll in Form eines Cafés umgesetzt werden, das sich wunderbar in dem ehemaligen Haushaltswarengeschäft einrichten lässt. Hier können Menschen zusammenkommen, sich austauschen, vernetzen und einfach Zeit miteinander verbringen. Das Café soll auch gleichzeitig offen für kulturelle und politische Veranstaltungen sein, also einen Raum bieten, um Weiterbildung zu ermöglichen und gemeinsam zu lernen. Ein Umsonstladen und eine offene Bibliothek sollen geldfreie Alternativen zum konsumorientierten Innenstadtleben bieten.

In der zweiten bis vierten Etage, soll bezahlbarer Wohnraum entstehen. Wir wollen die Wohnungen wieder instand setzen und auch weiterhin pflegen, denn bereits bestehenden Wohnraum sollten wir nicht verkommen lassen. Selbst im Grundgesetz steht: “Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.” (Art 14 GG)

Also: Die Häuser denen, die drin wohnen! Gartensia – Hipphipphurray ♥

Grüße,

die Gärtner*innen